Mal anders. Kirschwein.

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In Hamburg wurde ich aufgegabelt. Und bis in den Süden begleitet. Was für ein schöner Zufall! An einem Freitag Abend treffen wir uns wieder. Ich, auf dem Sofa. Die zwei anderen auf dem Wohnzimmertisch. Genau die richtige Umgebung für eine Verkostung der zwei Kirschen! Aus Dänemark kommen sie. Von dem Kirschweingut Frederiksdal Kirsebaervin hergestellt. Ich bin gespannt auf die Verkostung wie ein Flitzebogen!

Frederiksdal Kirsebaer Vin, Sur Lie, 5 Montag Fasslagerung, Lot No. 16.03

Als erstes wage ich mich an den Sur Lie, also auf der Hefe ausgebauten Kirschwein. In meinem jugendlichen Leichtsinn denke ich: “ das wird wohl der leichtere von Beiden sein“ . Weit gefehlt! Der Sur Lie ist alles andere als leicht. Ich schaue durch das Glas und sehe: nichts. Da kann sonstwas hinter dem Kirsebaer Vin passieren, ich würde es nicht erkennen. Kommen wir zur Sensorik. Erster Eindruck: Schokolade, eingetrocknete Kirschen, sehr dichte Frucht. Zweiter Eindruck: erdig, Rote Beete, Kräuter wie Rosmarin, Thymian, Lorbeer. Dann Walnuss, Kaffee, Marzipan und Blüten, duftende Veilchen und schwerer Flieder. Wow! Ich bin schon ganz auf den Geschmack gespannt. Erster Eindruck: süßlich, dichter Auftakt. Sehr mundfüllend. Herber, leicht bitter-süßer Nachhall. Zweiter Eindruck: extraktreich, voller Kirschgeschmack, Richtung Sauerkirsche, dunkle Schokolade, Marzipan. Langer Nachhall, sehr ausdrucksstark mit Sauerkirsch, -Sokoladengeschmack. Zum Dahinschmelzen. Ich bin verliebt. In meine Hamburg-Bekanntschaft. Wenn wir ausgehen würden. Wir beide. Was würden wir dann essen? Schokodadentörtchen mit eingelegten Kirschen, Topfenknödel mit Heidelbeeren. Oder doch Rehfilet im Kräutermantel? Wie wäre es mit Käse? Ein geaschter Ziegenkäse wie St.Maure de Toraine oder Vacherin, auch ein Cheddar könnte ich mir vorstellen. Am liebsten doch, würde ich den Kirsebaer Vin Sur Lie gemeinsam mit Freunden genießen! Nach dem Essen als besonderen Abschluss eines schönen Abends.

Ganz schön schnell bin ich auf den Geschmack der Kirsche gekommen. In meinem Glas befindet sich eine dunkelrote, fast schwarze Liebe aus Frederiksdal. Der Kirsebar Reserve. Ein Sponti. Ich mag Spontis. Im kleinen Holzfass ausgebaut. Mehrere Jahrgänge in einer Flasche. Spannend, wenn man darüber nachdenkt, ob die sich wohl auf so engem Raum alle vertragen. Ist ja wie im wahren Leben. Ein gutes Team funktioniert auch auf begrenzter Fläche. Und ja, ich muss sagen, ich werde nicht enttäuscht. Kommen wir zur Verkostung. Duft. Erster Eindruck: dichte Kirsche, waldig, leicht harzig. Zweiter Eindruck: dunkle Schokolade, Sauerkirsche, Nadelbaum, Wald, krautig, dunkle Erde, Leder. Geschmack. Erster Eindruck: süßlich feiner Auftakt, kräftig im Mittelstück und Nachhall, Spannung gebende Herbe. Zweiter Eindruck: sehr dicht am Gaumen und trotzdem durch die feine Säure und Gerbstoffe strukturiert und fein. Dunkle Schokolade und getrocknete Sauerkirschen mit erdigen Noten. Super spannend. Und was wäre das gemeinsame Essen? Hier kann ich mir ein gereiften Cheddar vorstellen mit Pumpernickel. Rehfilet mit Sauerkirschen, Schokolade…

Fazit: Ich bin überwältigt. Geschafft. Von dieser Eigenständigkeit der Weine. Und ich bin abhängig. Mehr bitte! Wenn ich mich entscheiden müsste. Was hoffentlich nie der Fall sein wird. Ich würde den Charakterkopf nehmen. Die Reserve.

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